Analfissur

Die Analfissur ist eine der schmerzhaftesten Erkrankungen im Enddarmbereich. Dabei kommt es aufgrund von Entzündungen und darauf folgenden Einrissen der Innenauskleidung des Afters zu geschwürsartigen Defekten im Afterinnern. Diese verursachen massive Schmerzen während und oft bis zu Stunden nach der Stuhlentleerung, besonders bei fester Stuhlbeschaffenheit. Es können streifige Blutantragungen am Toilettenpapier, aber auch tropfende Blutungen aus dem After auftreten. Aufgrund des Schmerzes reagiert ein Teil des Schließmuskelorgans mit einer erheblichen Verengung des Afters, was wiederum die Abheilung der Fissur verzögert. 

Diese wiederkehrenden Entzündungszustände führen nach einiger Zeit zur Ausbildung von narbigen Strukturen im After, die nicht mehr von selbst abheilen können und die Erkrankung somit unterhalten und sogar zu Komplikationen führen. Ist die Analfissur noch im Anfangsstadium, ohne nennenswerte narbige Veränderungen, so werden in der Behandlung Analtampons zur Schmerzlinderung und Fissurheilung eingesetzt. Gleichzeitig muss bei einer beginnenden oder bereits eingetretenen Afterenge eine Afterdehnung mittels Analdehner und Salbe eingeleitet werden, die der Patient selbst zuhause durchführt. In dieser Krankheitsphase können auch Nitroglycerinsalben in den After eingeführt werden, die ebenfalls die muskuläre Engstellung aufheben können, aber auch mit der Nebenwirkung gelegentlich auftretender, starker Kopfschmerzen belastet sind. Hier liegen derzeit noch unzureichende Therapieerfahrungen vor. Ähnlich verhält es sich mit der Einspritzung von Botulinumtoxin in den Schließmuskel, was zu einer ca. 6-monatigen lähmungsartigen Erschlaffung desselben führt und damit die Abheilung der Analfissur begünstigen soll. 

Bei dieser Therapie ist häufig die Stuhlkontrolle erheblich eingeschränkt. Ein Umstand, der zusammen mit den bislang nur sehr geringen Erfahrungen im Umgang mit dieser Substanz zum kritischen Behandlungseinsatz mahnt. In den meisten Fällen führt die Behandlung mit Anatampons, Salben und Analdehnung zur Abheilung und Beschwerdefreiheit. Therapiebegleitend muss für eine weiche, aber geformte Stuhlbeschaffenheit mittels faserreicher Kost und genügender Flüssigkeitszufuhr gesorgt werden, um eine problemlose Stuhlentleerung ohne Pressen zu ermöglichen. 

Der Einsatz von Abführmitteln jeder Art ist falsch und sorgt eher für eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs. Sind jedoch die beschriebenen narbigen Veränderungen weit fortgeschritten und es lässt sich keine Abheilung der Fissur erreichen, so bleibt nur die operative Entfernung der narbigen Strukturen sowie sonstiger Veränderungen, die der chronische Entzündungsprozess zwischenzeitlich bewirkt hat. Häufig sehen wir zu diesem Zeitpunkt bereits kleine Gangsysteme, die sich unter der Haut des Afterkanals oder zur Schließmuskulatur hin ausgebildet und somit eine Abheilung der Analfissur verhindert haben. Diese werden während der Operation ebenfalls beseitigt, da sie anderenfalls weiter in die Schließmuskulatur vordringen und zuletzt zu Abszessen und Analfistel, einem wesentlich schwereren Krankheitsbild führen könnten. Die Entscheidung, ob dieser Eingriff in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose stattfinden soll, muss jeweils im Einzelfall vom Operateur getroffen werden. Die früher geübte und heute noch im angloamerikanischen Schrifttum propagierte, systematische Einschneidung des inneren Schließmuskels als operative Maßnahme der Fissurbeseitigung, kann vor dem Hintergrund der häufig resultierenden, eingeschränkten Stuhlkontrolle heute nicht mehr aufrecht erhalten werden. Verödungs- oder Verschorfungsbehandlungen der Analfissur sind ebenfalls völlig ungeeignet, da sie zwar zu einer kurzfristigen Schmerzlinderung führen können, aber den unerwünschten Vernarbungsprozess sogar verstärken und damit der Entstehung einer weiterreichenden Analerkrankung Vorschub leisten. Ein solcher Krankheitsverlauf mit Ausbildung von Analfisteln kann auch bei Nichtbehandlung eintreten.