Anale Inkontinenz

Unter analer Inkontinenz versteht man den teilweisen oder völligen Verlust der Verhaltefähigkeit von Darminhalt in gasförmiger, flüssiger oder fester Beschaffenheit. Diese Störung kann nur zeitweise oder ständig auftreten.

Die uneingeschränkte Kontrolle über Darminhalt in allen Aggregatszuständen erfolgt über ein sehr feines und kompliziertes Zusammenwirken muskulärer Strukturen (innerer und äußerer Schließmuskel, großer Beckenheber) und eines sensorischen Warnsystems in der Mastdarmwand und der hochempfindlichen Haut des Analkanals (Anoderm). Ebenso sind die nicht vergrößerten Hämorrhoidalpolster an dieser wichtigen Körperfunktion beteiligt.

Jede Funktionseinschränkung der involvierten  Strukturen, die auf vielfältige Ursachen rückführbar sind, kann bereits eine Einschränkung der analen Kontinenz bewirken. Nur eine genaue Diagnose mit präziser Festlegung der geschädigten oder degenerierten Funktionseinheiten vermag eine geeignete Therapie zur Wiederherstellung oder Verbesserung der Verschlußfähigkeit  einzuleiten.

Neben einem gezielten Muskeltraining (z.B. Beckenbodentraining) oder der Therapie vergrößerter Hämorrhoiden bzw. eines Schleimhautvorfalls, stehen auch verschiedene operative Verfahren zur Verfügung, die eine Stimulierung bzw. Rekonstruktion betroffener Muskelanteile oder gar einen Muskelersatz leisten können. Im Falle einer zugrunde liegenden Nervenschädigung sind die Behandlungsmöglichkeiten leider oft sehr gering.

Bei Patienten mit eingeschränkter Kontrollfunktion des analen Verschlußorgans ist immer auf eine trockene und geformte Stuhlbeschaffenheit zu achten, die oft bereits mit der Gabe von Quellstoffen (z.B. Flohsamenschalen-Präparate) erreichbar ist. Bleibt dies ohne den gewünschten Erfolg, so sind auch medikamentöse Therapieoptionen zur Normalisierung der Stuhlkonsistenz angezeigt.